Zusammenfassung des Projekts


Das Projekt "Bilingualer Unterricht als Beitrag zur Förderung von Mehrsprachigkeit in Europa" wendet sich an Lehrer und Lehrerinnen im Primar- und Sekundarbereich allgemeinbildender Schulen, die bereits bilingualen Unterricht in einem Sachfach unterrichten oder die Absicht haben, einen solchen zu erteilen.

Das Projekt zielt darauf, den bilingualen Unterricht an Primar- und Sekundarschulen zu stärken und auszubauen, universitäre Forschung und schulische Praxis miteinander zu verknüpfen, deutsche, spanische und finnische Schulen auf Lehrerebene personell (durch Sprach- und Studienaufenthalte) und virtuell (durch Einrichtung eines Internet-Workshops) miteinander zu vernetzen und die Zusammenarbeit untereinander durch nationale und transnationale Projekte zu fördern und intensivieren.

Im Rahmen des Projektes werden dazu empirische Untersuchungen zum Ist-Stand des bilingualen Unterrichts in den jeweiligen Regionen durchgeführt, didaktisches und methodisches Material für Lehrer und Lehrerinnen sowie Schülermaterialien entwickelt und auf verschiedenen Medien allgemein zugänglich gemacht, schulinterne und schulexterne Fortbildungsveranstaltungen auf jeweils nationaler und europäischer Ebene sowie Mobilitätsmaßnahmen für Projektbeteiligte durchgeführt.

Als Projektergebnisse werden ein "Handbuch" sowie ein "Materialienband" zum bilingualen Unterricht in Printform, auf CD-Rom und für das Internet produziert. Ein "Virtueller Workshop" wird als Kommunikationshilfe, Präsentationsforum und Materialspeicher eingerichtet, der auch längerfristig und projekttranszendierend zur Verfügung steht.

 

Ziele

Der bilinguale Unterricht in einem Sachfach ist in Deutschland, Spanien und Finnland ein im Auf- und Ausbau befindliches neues Unterrichtskonzept, das sowohl im Unterricht der Primar- und Sekundarstufe allgemeinbildender Schulen, im Bereich der Lehrerfortbildung und auf dem Gebiet der universitären und wissenschaftlichen Forschung Raum gegriffen hat und an Gewicht und Bedeutung in Zukunft stark zunehmen wird. In Spanien arbeiten z. B. andalusische Primarschulen unter Mitwirkung des Goethe-Instituts in Madrid an Modellversuchen zur Stärkung des Deutschunterrichts in Sachfächern. In Finnland wurde am Linnanpellon lukio in Kuopio vor kurzem ein eigener Oberstufenzweig eingerichtet, in dem, in enger Zusammenarbeit mit der Universität von Kuopio, ein Teil des Wirtschaftsunterricht auf Englisch erteilt wird. In Bayern gibt es, hier begleitet vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung in München, bereits über ein Dutzend Schulen, in denen zweisprachiger Sachfachunterricht angeboten wird. Am Holbein-Gymnasium in Augsburg wird seit vier Jahren Geschichte auf Französisch, seit 2 Jahren Geographie auf Englisch und seit einem Jahr Geschichte auf Spanisch angeboten. In dieser Phase des Aufbruchs scheint es sinnvoll zu sein, begleitet von theoretischer Reflexion und Evaluation, für die bilingual unterrichtenden Lehrer und Lehrerinnen die notwendigen Voraussetzungen (methodisches und didaktisches Know-How) zu schaffen, bzw. zu verbessern, sowie die für einen zeitgemäßen, kommunikativen Unterricht erforderlichen Hilfsmittel (Handreichungen, Materialsammlungen) bereitzustellen. Dies ist umso dringender geboten, als es in Spanien und Finnland überhaupt keine spezifischen Lehrwerke, Materialsammlungen, etc. für den bilingualen Unterricht gibt. In Bayern existieren zwar einige broschierte, vom Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung herausgegebene "Lehrerhandreichungen"; diese decken aber nur einen kleinen Bereich des bilingualen Unterrichts ab, da sie nicht für alle einschlägigen Klassenstufen, in Frage kommenden Sachfächer und Fremdsprachen vorliegen.

Als vorbereitende Maßnahmen zu diesem Projekt fand im November 2000 ein Treffen mit Vertretern und Vertreterinnen der beteiligten Institutionen in Madrid statt, auf dem diese sich über Thema, Ziele, Inhalte, Aktivitäten und Organisation verständigt haben (siehe Anlage 1). In Deutschland wurden im Januar und Februar wichtige Kontakte zur Universität Augsburg, zur Regionalen Lehrerfortbildung der Regierung von Schwaben (zuständig für Fortbildungen an Primarschulen), zu Primar- und Sekundarschulen im Bereich der Stadt Augsburg und Bayerisch-Schwabens sowie zum Staatsinstitut für Schulpädagogik und Bildungsforschung in München hergestellt. Die genannten Einrichtungen haben ihren Willen erklärt, sich an dem Projekt zu beteiligen. In Spanien wurden die bereits bestehenden Kontakte zum Goethe-Institut in Madrid sowie zu einer Reihe andalusischer Schulen intensiviert. Eine außerhalb dieses Projektes stattfindende Lehrerfortbildung zwischen der hier auftretenden koordinierenden Einrichtung und dem Goethe-Institut in Madrid wird im Sommer und Herbst 2001 in Augsburg und Madrid stattfinden (siehe Anlage 2). In Finnland bestehen bereits aufgrund eines früheren Comenius-Projektes gute Kontake zur Stadt Kuopio, die dort auch für die Lehrerausbildung zuständig ist, sowie zur Universität Kuopio, mit der das am Projekt beteiligte Linnanpellon lukio seit einem Jahr in einem festen Kooperationsverhältnis steht.

Die Ziele, die mit diesem Projekt angestrebt werden, sind,

(1) durch zweisprachigen Sachfachunterricht die sprachliche und interkulturelle Kompetenz der Schüler und Schülerinnen über das Maß des regulären Fremdsprachenunterrichts hinaus zu fördern und zu stärken, die Schüler und Schülerinnen vom Lernen der Fremdsprache zum Lernen in der Fremdsprache anzuregen, und sie somit nicht nur zu einer vertieften Beschäftigung mit der Geschichte, Gesellschaft und Kultur des Partnerlandes zu bewegen, sondern auch für die Bedeutung der Eigenart des eigenen Kulturkreises stärker zu sensibilisieren.

(2) die Lehrer und Lehrerinnen mit den spezifischen methodischen und didaktischen Anforderungen eines bilingualen Unterrichts vertraut zu machen, ihnen unterrichtspraktische Hilfsmittel (Materialien) für einen effektiven bilingualen Unterricht an die Hand zu geben, und sie in einen kommunikativen Rahmen (Informations- und Erfahrungsaustausch im nationalen und länderübergreifenden Rahmen) einzubetten. Dies ist wegen der oben genannten Defizite auf dem deutschen, spanischen und finnischen Schulbuchmarkts besonders dringlich.

(3) die beteiligten Universitäten, Primar- und Sekundarschulen sowie anderen bildungspolitischen Institutionen derart miteinander zu vernetzen, um weitere projekttranszendierende Aktivitäten im nationalen und europäischen Kontext zu fördern und so auch langfristig die Voraussetzungen für die Entwicklung einer europäischen Identität zu sichern.

 

Die geplanten Aktivitäten sind:

(1) regelmäßige (dreimal im Jahr) stattfindende einwöchige Treffen der Projektkoordinatoren (gegenseitiger Informations- und Erfahrungsaustausch, Austausch und Evaluation der nationalen Arbeitsergebnisse, Vorbereitung der Arbeitsergebnisse für die Präsentation, Aufbau des Virtuellen Workshops, Organisation der transnationalen Projekte, Mobilitätsmaßnahmen und Fortbildungsveranstaltungen)

(2) regelmäßige (viermal im Jahr) stattfindende eintägige Treffen der nationalen Arbeitsgruppen (gegenseitiger Informations- und Erfahrungsaustausch, Diskussion über die theoretisch-wissenschaftlichen, pädagogischen, methodischen, didaktischen und unterrichtspraktischen Erfahrungen im bilingualen Unterricht, Produktion und Evaluation der Arbeitsergebnisse)

(3) Fortbildungsveranstaltungen zum Thema bilingualer Unterricht in Theorie und Praxis auf regionaler und auf europäischer Ebene. Es soll im dritten Projektjahr ein im Comenius-Katalog ausgeschriebener und unter Comenius 2.2.c durchgeführter Europäischer Fortbildungskurs zum Thema bilingualer Unterricht durchgeführt werden.

(4) Mobilitätsmaßnahmen für Studenten und Studentinnen (Sprachassistenzkräfte) und für am Projekt beteiligte Lehrer und Lehrerinnen. Es sind dazu transnationale Austauschmaßnahmen, vor allem auch für Sprachstudenten und –studentinnen (z. B. über Erasmus-Programme) geplant.

(5) Die Produkte, ihre Art, ihre Entwicklung, ihr Umfang, etc. sind unter Punkt 3 dieses Projektantrags näher erläutert.

(6) Die Strategien der Evaluation und Verbreitung sind unter Punkt 6 diese Projektantrags näher erläutert.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt.

Die wichtigsten pädagogischen und didaktischen Konzepte, die die Grundlagen für die Projektarbeit Projekt bilden, sind:

(1) Kommunikativität (Vertiefung der sprachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten, verstanden nicht als Zusatzangebot zum herkömmlichen Fremdsprachenunterricht, sondern als gezieltes, unterrichtsbezogenes Kommunikationstraining)

(2) Interdisziplinarität (Stärkung und Ausbau des fächerübergreifenden Arbeitens)

(3) Diversifikation (Rücksichtnahme auf die unterschiedlichen Altersgruppen, Sozialmilieus, etc. der Schüler und Schülerinnen sowie auf die unterschiedlichen nationalen bildungspolitischen Kontexte)

(4) Teamwork (Partner- und Gruppenarbeit als bevorzugte Arbeitsform, paritätische Behandlung der drei beteiligten Partnerländer, etc.)

(5) Flexibilität (Fähigkeit und Bereitschaft, die eigenen Arbeitsergebnisse immer wieder gemeinsam zu diskutieren, in Frage zu stellen, zu überarbeiten und zu verbessern)

Die Zielgruppen, die direkt vom Projekt profitieren, sind Lehrer und Lehrerinnen sowie Fortbildungsanstalten und universitäre Einrichtungen.

Die Lehrer und Lehrerinnen erhalten ein notwendiges methodisches, didaktisches und unterrichtspraktisches Instrumentarium, das sie im bilingualen Unterricht einsetzen können. Die Lehrerfortbildungseinrichtungen (gedacht sind an die regionalen wie überregionalen, z. B. auch die Akademie für Lehrerfortbildung in Dillingen) können mithilfe dieses Instrumentariums Kurse und Lehrgänge zum bilingualen Unterricht anbieten und durchführen. Die Universitäten haben die Möglichkeit, ihre theoretische Forschung auf diesem Gebiet immer wieder anhand praktischer, unterrichtsspezifischer und schulrealer Alltagswirklichkeit zu evaluieren.

 

Das Projekt ist innovativ,

(1) da das Thema des bilingualen Unterrichts in allen drei Partnerländern eine recht neue und erst seit kurzem praktizierte Unterrichtsform ist, die ihrerseits noch in einer Experimentierphase steckt,

(2) da weder ausreichende methodische, didaktische und unterrichtspraktische Materialien vorhanden sind, die einen effektiven Unterricht ermöglichen,

(3) da es zwar genügend Lehrer und Lehrerinnen mit der erforderlichen Fremdsprachenkompetenz gibt, die bilingualen Unterricht erteilen könnten, diese aber in eigens dafür eingerichteten Fortbildungsveranstaltungen speziell trainiert und motiviert werden müssen

(4) da es bisher nur Ansätze einer kooperativen Zusammenarbeit von Theorie und Praxis, von Schule und Universität gibt und diese dringend ausgebaut und vertieft werden müssen.